Einem Bonmot Arnold Stadlers folgend ist die Gottesfrage, neben dem Bankgeheimnis, das am besten gehütete Tabu unserer Zeit. Unser Seminar folgt den religiösen Spuren der Gegenwartsliteratur. Im Wandel von Gottes- und Menschenbild unter dem Einfluss der Life Sciences, der Künstlichen Intelligenz und der diversen „Berichtigungen“ (Brecht) biblischer Geschichten zeigt sich, was die Religion der Literatur zu sagen hat und wie Literatur Religiöses in ästhetische Erfahrung verwandelt. Wir beschäftigen uns mit Christusfigurationen bei Patrick Roth, unheiligen Familien-Konstellationen bei Thomas Hürlimann, dem „Botschaftsverkehr zwischen oben und unten“ bei Sibylle Lewitscharoff, Umdeutungen der Bibel bei Hilde Domin, Engeln im Film („Der Himmel über Berlin"), dem Homo Deus in Dystopien („Ex Machina“).
Der Literaturwissenschaftler und Theologe Prof. Dr. Michael Braun stellt uns die Besonderheiten dieser „Gattung“ vor. Braun studierte Germanistik, Katholische Theologie, Pädagogik und Politologie in Aachen, Bonn, Edinburgh und Pittsburgh. Er ist Leiter des Referat Literatur bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und lehrte unter anderem an der Universität zu Köln.