Theologische Impulse in bedrängten Zeiten
Die globalisierte Menschheit ist, um mit den Worten von Alexandria Ocasio-Cortez auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 zu sprechen, „in a new day and in a new time“. Doch diese neue Zeit ist keine, die sich die Mehrheit gewünscht hätte. Sie ist geprägt von einer ungeheuren Macht, die aus systematischen Demütigungen erwächst.
Gedemütigt werden fast immer „die Anderen“ – häufig besonders vulnerable Menschen. Das erzeugt Angst bei den einen und Erregung bei den anderen. Und genau darin liegt eine massive Bedrohung für die Demokratien der einst sogenannten westlichen Welt: Sie sollen vor Demütigung schützen – und stehen gerade deshalb der neuen Zeit im Weg. Zunehmend werden sie von innen wie von außen selbst gezielt gedemütigt.
In dieser Situation kommt der Religion – insbesondere dem Christentum – eine ambivalente Rolle zu. Historisch war es nicht selten in der Lage, Demütigungen theologisch zu rechtfertigen, um Macht zu stabilisieren. Doch muss das so bleiben?
Der Vortrag stellt die ebenso unbequeme wie hochaktuelle Frage: Welchen Platz nimmt Gott in dieser bedrängenden Lage ein – einen demütigenden oder einen demütigen?
Entscheidet sich Gott für den zweiten Ort, wird er zum Demokraten. Und genau daran wird sich alles bewähren lassen: ob und wie Raum entsteht für Widerstand gegen wuchernde Demütigungen – persönlich, gesellschaftlich und politisch.
Der Abend lädt dazu ein, theologisch scharf, gesellschaftlich wach und spirituell verantwortlich über Demokratie, Macht und Glauben nachzudenken – und darüber, was christliche Überzeugungen heute zur Stärkung der Demokratie beitragen können.
Referent: Dr. Hans-Joachim Sander, geboren 1959, verheiratet, war bis 2024 Universitätsprofessor für Dogmatik an der Universität Salzburg. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Gottes räumliche Gravitation und widerständige Ermächtigungen, das Zweite Vatikanische Konzil und die Transformation der Kirche, von Macht und Ohnmacht geprägte gläubige Identitäten, sexueller Machtmissbrauch in der Kirche sowie „Zeichen der Zeit“ als Heterotopien und Glaubensräume.
Kooperation: Kreiskatholikenrat Oberberg, Kirchenkreis An der Agger, DEMOKRATIEKIRCHE Oberberg