Im Kunstraum St. Theodor begegnen die Bilder des Reutlinger Künstlers Henning Eichinger einem architektonisch klaren, zurückhaltenden Raum. Im Zentrum der Ausstellung steht „Come as you are,“ eine moderne Interpretation der mittelalterlichen Sonnen- und Flammenmadonna. Umgeben von einem mandelförmigen Strahlenkranz steht Maria über einem vielgestaltigen „Berg der Dinge“. Die Fülle aus technischen, organischen und symbolischen Motiven spiegelt die Reizüberflutung unserer Zeit. Maria bildet darin einen ruhigen Gegenpol – ein Bild der Sammlung, der Spiritualität und der Sehnsucht nach Orientierung.
Auch die Gemäldeserie „Horror Vacui“ beschäftigt sich mit der Überfülle unserer medialisierten, digitalisierten und globalisierten Welt. In seinen detailreichen, überwiegend schwarz-weißen Bildern verbindet Eichinger Elemente aus Alltag, Geschichte und Medienwelt zu einem dichten Geflecht zwischen Cartoon, Fantasy, Tattoo und Graphic Novel. Die Motive entstehen in einem offenen, kontinuierlichen Malprozess, in dem sich Ölfarbe und Lack auf Leinwand Schicht für Schicht überlagern. So verwandelt der Künstler den Druck und die Überforderung der Gegenwart in eine eigenständige Bildsprache – und gewinnt aus dem Zuviel eine poetische Dimension.
Die Bilder erinnern in ihrer ornamentalen Dichte an sakrale Bildwelten, Wandteppiche und barocke Kunst. Zugleich stehen sie in einem spannungsvollen Dialog mit der schlichten, klaren Architektur des von Paul Böhm gestalteten Raumes. Zwischen Fülle und Stille, Ordnung und Chaos, Spiritualität und Gegenwart eröffnet die Ausstellung einen Raum, in dem sich die Fragen unserer Zeit auf überraschende Weise mit religiösen Bildtraditionen verbinden.