Wem folgt die Kirche eigentlich? Den Erwartungen der Gesellschaft? Den politischen Strömungen ihrer Zeit? Oder dem Zeitgeist, der täglich neue Wahrheiten hervorbringt?
Als die Barmer Theologische Erklärung 1934 entstand, die im Wesentlichen von Karl Barth verfasst wurde, stand genau diese Frage im Raum. Inmitten des Drucks im Nationalsozialismus widersprachen mutige Christinnen und Christen dem Versuch, Kirche und Glauben für politische Zwecke zu vereinnahmen. Ihr Bekenntnis war ebenso einfach wie radikal: Die Kirche gehört nicht dem Staat, keiner Ideologie und keinem Führer, sondern allein Jesus Christus.
Zum Auftakt der BTE-Woche führt der renommierte Karl Barth-Forscher, Prof. Dr. Georg Plasger, in Entstehung, Anliegen und Sprengkraft dieses bis heute wegweisenden Textes ein. Im Mittelpunkt steht die erste von sechs Thesen der Barmer Theologischen Erklärung. Sie widerspricht entschieden dem Anspruch anderer Mächte, Weltanschauungen oder Autoritäten, die letzte Orientierung für Leben und Glauben oder gar Kirche zu sein.
Gerade in einer Zeit, in der politische Lager, Identitäten und Ideologien um Deutungshoheit ringen, stellt die erste Barmer These eine unbequeme Frage: Worauf vertrauen wir eigentlich? Und was geschieht, wenn Kirche ihre Orientierung nicht mehr von Christus, sondern von den Lautesten ihrer Zeit bezieht?