„Die weitverbreitete Vorstellung von der Einheit des Weltjudentums“, schreibt der amerikanische Rabbiner Arthur Hertzberg, „ist ein Mythos, den sich Antisemiten lange Zeit zunutze gemacht haben.“ In Wahrheit ist das Judentum, wie Hertzberg formuliert, „eine zerstrittene Sippschaft“, und niemand kann sich anmaßen für ‚das‘ Judentum schlechthin zu sprechen. Harmoniestreben ist keine jüdische Tugend, und das betrifft nicht etwa nur Fragen des Religionsgesetzes, sondern seit der jüdischen Aufklärung (Haskalah) vor allem das Selbstverständnis des Judentums in der Moderne. Die heute existierenden Richtungen – Reformjudentum, Orthodoxie, konservatives Judentum und Reconstructionist Judaism – entwickelten sich im 19. und 20. Jahrhundert und sind das Ergebnis oft erbittert ausgetragener Konflikte; nicht zu vergessen ein dezidiert säkulares Judentum, das zu religiösen Geltungsansprüchen auf Distanz geht. Der Vortrag versucht, in die Entstehung und in das Selbstverständnis dieser Richtungen einzuführen und dabei zu beherzigen, was Amos Oz und Fania Oz-Salzberger nicht ohne Ironie bemerkten: „“We Jews are notoriously unable to agree about anything that begins with the words ‘we Jews’.”
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BW / Glaube - Sinn - Werte / Glaube - Sinn - Werte - alle Veranstaltungen / "Eine zerstrittene Sippschaft". Von der Vielfalt des Judentums